Tuesday, December 14, 2010

Stuttgarter Stadtplanung "Einförmigkeit mit wenig Qualität" Jörg Aldinger, veröffentlicht am 13.12.2010

Many big projects will change the appearance of Stuttgart in the coming years. The Geisstrasse Foundation and the Stuttgarter Zeitung (the daily paper) invited six Architects to speak about their visions for for the future of the city. The paper published the contributions in a series of articles.

Authors include Stefan Behnisch, the architect for the new law school at the University of Baltimore and the below article from Joerg Aldinger titled "Uniformity with Little Quality".

I worked for Joerg Aldinger and his father in his firm in the Stuttgart suburb of Wendlingen in the early eighties. Since then he has moved his firm into Stuttgart proper and grew his father's studio into a firm with a European reputation. He is also a Professor of Architecture.

In the article he bemoans the uniformity and mediocrity of much of the recent Stuttgart architecture, but, more importantly, postulates new paradigms for the city as such. Among those new paradigms is the substitution of speed (which led to the city for cars) with quality of the experience (speed and mobility now being achieved in the virtual roam) and the end of the strictly mercantile view of buildings and architecture in favor of a comprehensive sustainability. Such sustainability has to go beyond energy savings to include the long view and also acceptance by the people of the city. He speculates that sustainability could ultimately make a city tick in an all new rhythm.
He argues against mid size cities (Stuttgart has a population of just over 600 000, just like Baltimore) competing with major league cities like Paris, London or New York. He mentions the hierarchy of French Cities and how Bordeaux or Nantes have planned vibrant and progressive cities without competing or imitating the capital.

He maintains that the quality of a city comes from the small interventions and the public spaces, not from the "grands projets". He bemoans that Stuttgart lacks a vision, a tangible idea what it wants to be. Once known as the city between forest and vineyards it is at a loss to describe its future in equally easy to understand terms.


Ich lebe mit dem Privileg, nächtens, ohne um den Schlaf gebracht zu sein, auf Stuttgart blicken zu können. Friedlich schlummert die Innenstadt einen vermeintlich unschuldigen Schlaf. Der Tagblattturm, ein (ver-)frühtes Zeugnis von versuchter, wenig angenommener Modernität, schimmert mit blassem Neonglamour, und der gute Rest schläft im Halbdunkel. Kaum vorstellbar, dass es um Zukunft und nicht nur um eine romantisierte Vergangenheit gehen könnte. Trotzdem schaue ich mit Zuneigung. Weshalb eigentlich? Trügerische Heimatgefühle oder nur Bequemlichkeit? Was tun, damit Gewohnheit zur Heimat werden kann?

Stuttgart handelt oft vordergründig in seiner Entwicklung


Stuttgart bietet im nationalen und internationalen Vergleich Überschaubarkeit, relative Sicherheit und relativen Wohlstand, aber auch Begrenzung, Probleme und Stillstand. Im Einzelnen:

Stadt der Vielfalt? Stuttgart handelt oft vordergründig in seiner Entwicklung. Das schale und fast immer jubelhaft ausgestoßene Zauberwort: "Wir haben einen Investor!" mag zwar den Mechanismen der marktwirtschaftlichen Immobilienwirtschaft entsprechen, vermag aber in der Regel, wenn überhaupt, außer Renditen nichts zu versprechen. Die Qualität, die Angemessenheit und die Akzeptanz bleiben allzu oft auf der Strecke. Die Bürger nehmen die Projekte allenfalls aus merkantiler Vernunft, aber nicht mit Empathie an. Man nenne ein "geliebtes" Investorenprojekt der letzten Jahre!

Eine Stadt lebt auch durch Fehler


Wo liegt das Problem? Im Maßstab! Neue Projekte sind gut, notwendig und zukunftsfähig, wenn die Heterogenität als unabdingbare Notwendigkeit der Stadtentwicklung verstanden wird. Stadt lebt durch Vielfalt, durch Sprünge, Irritationen, Qualität, Eigenwilligkeit, auch durch Fehler. Praktisch gesehen ist es richtig, das räumliche Gefüge der Stadt des 19.Jahrhunderts als städtebauliches Leitbild für die Innenstadt zu zitieren. Praktisch gesehen sollte nicht ein Quartier durch einen Investor, ein Baurecht, einen Architekten in einer Zeitperiode realisiert werden, sondern durch viele. Wir könnten mit all dem unterschiedlichen Träumen, Realisieren und Scheitern die Vielfalt und damit Lebensqualität sichern. Lebendigkeit gegen Langeweile.

Die "Mutter" der Stadt des 19. Jahrhunderts, Paris, kennt zwanzig Arrondissements mit über zwei Millionen Einwohnern. Alles ist individuell im Rahmen eines Gestaltkanons ausgeformt, nur eine großartige Rue de Rivoli erlaubt sich gegenüber dem Louvre und dem Jardin des Tuileries Einförmigkeit bei höchster Qualität. Stuttgart dagegen erlaubt sich ständig Einförmigkeit mit wenig Qualität. Stuttgart bräuchte noch mehr Mut zur Vielfalt, zur Geduld, zur Entschleunigung. Quartiere von vielen für viele.

Der Fluss liegt immer noch brach


Stadt der ungenutzten Orte? Stuttgart hat vielfältigere Angebote, als es vielen bewusst ist und von allen überhaupt genutzt wird. Die einzigartige Topografie des Kessels steht für das Stadtbild, das Potenzial des Neckars bleibt jedoch noch ungenutzt. Der Neckar hat infrastrukturelle und industrielle Tradition. Handelswege und Produktion am Wasser waren von Bedeutung. Handelswege und Produktion haben heute und in Zukunft andere Optimierungsparameter. Der Fluss liegt immer noch brach. Stuttgart, die Stadt am Wasser, klingt noch fremd, doch der Blick in andere Städte zeigt auf, dass wesentliche Impulse für eine Stadtentwicklung vom Bauen am Wasser ausgehen können.

Stadt des verlorenen öffentlichen Raums? "Benztown" oder die autogerechte Stadt. Fehler der sechziger und siebziger Jahre sollen hier nicht erneut beklagt werden. Stuttgart sollte endlich unter eindeutiger Fokussierung den individualisierten, motorisierten Verkehr auf ein erträgliches Maß zurückdrängen. Die autogerechte Stadt wendet sich gegen ihre Bewohner. Die Vorstellung, die Zukunft läge in einem physischen Mobilitätszeitalter, ist überholt. Es kommt immer weniger darauf an, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, da sich die Kommunikations- und Arbeitsstrukturen ohnehin virtuell entwickeln. Urbanität war einmal Mobilität. Also sollte die Preisgabe der Stadtautobahnen, der unwirtlichen Kreuzungen, der Parkierungsmaximierung nicht so schwer fallen.

Jede Belebung des öffentlichen Raums ist Lebensqualität


Die Umwandlung in Boulevards, in Plätze, in Straßen jeweils mit einer angemessenen Balance zwischen Fahrzeugen und Fußgängern wäre der entscheidende Gewinn. Jede Belebung und Qualitätsverbesserung des öffentlichen Raums ist Lebensqualität.

Hightech in Slow Motion? Nachhaltigkeit ist eine Chance für Stadt und Region. Ist es nicht müßig, den Begriff zu diskutieren, da Stuttgart so viel Bestand und damit Unveränderbares in sich birgt? Wir wissen, dass die konstruktive Auseinandersetzung mit Energie und Umwelt die Taktzahl einer Gesellschaft bestimmen kann. Die Mobilitätsgesellschaft, sofern sie Zukunft hat, entwickelt ihre Taktzahl aus technischen Innovationen im Zusammenhang mit sparsamem Umgang von Ressourcen. Die Stadtgesellschaft hat den sparsamen Umgang mit Ressourcen noch nicht als Taktgeber entdeckt. Noch immer werden Infrastruktur und Gebäude hier vorwiegend investiv betrachtet.

Den Takt zu beschleunigen könnte mir gefallen


Eine Lebenszyklusbetrachtung von Infrastruktur und Gebäuden bietet Chancen. Innovative Technologien können entwickelt, produziert und eingesetzt werden. Der Fokus liegt nicht im Detail, sondern auf der systemischen Betrachtung von Gebäuden. Eine Sichtweise, die es erlaubt, vieles zu hinterfragen und vor dem Hintergrund der Ergebnisse Altes zu bewahren, Altes zu verändern, Altes durch Neues zu ersetzen, Neues besser zu gestalten.

Es könnte sich eine andere Qualität der Diskussion etablieren. Das etwas säuerliche, durch Auflagen bestimmte Energiesparen könnte durch innovatives ganzheitliches Handeln ersetzt werden. Ganzheitliches Handeln bedeutet sorgsam mit Boden umzugehen, mit Wasser als hohem Gut zu haushalten, wenig Energie zum Bauen und zum Unterhalt einzusetzen, Baustoffe ressourcenbewusst auszuwählen, Flexibilität der Nutzung zu ermöglichen, eine sinnvolle Entsorgung vor dem Bau zu planen, Behaglichkeit und Gesundheit bewusst zu fördern und damit innovativ zu handeln. Die Taktzahl einer Stadtgesellschaft würde eine zukunftsorientierte und nachhaltige Ausrichtung auch im Planen und Bauen erhalten. Den Takt zu beschleunigen und die eine oder andere Synkope zu leben, das könnte mir gefallen.

Es fehlt ein Bild, die Vision Stuttgarts


Stadt ohne Plan? Eine unzulässige Frage, da doch alle alles planen. Selbstverständlich gibt es Bauleitpläne, Bebauungspläne, Bauanträge - das ganze Repertoire - vieles wird sorgfältig entwickelt und vieles sorgfältig abgewogen. Dennoch, es fehlt ein Bild, die Vision Stuttgarts. Verbinden wir die Stadt Stuttgart mit dem etwas ältlichen, durchaus Potenzial bergenden Werbeslogan "...zwischen Wald und Reben". Hier hat sich zumindest ein treffendes Bild des topografischen Alleinstellungsmerkmals eingestellt. Das "Grüne U" als Vegetationsklammer zwischen Innenstadt, Bad Cannstatt und Killesberg hatte vergleichbare Wertigkeit, wenn es auch nur ein wichtiges Detail war. Heute verbinden wir die Stadt Stuttgart mit kardiologischen Plattitüden, deren Charakteristikum in ihrer modischen Unverbindlichkeit besteht.

Ein Bild aus der zweifellos wirtschaftlich prosperierenden Region verbietet sich. Zersiedlung ist zwar ein Charakteristikum, aber als Bild nur für Zyniker geeignet. Ich gestatte mir eine konservative Haltung. Die Proportion des Stadtraums, das Erleben der Hänge, die Kultivierung des öffentlichen Grüns, die Bestärkung des öffentlichen Raums, die Förderung der individuellen, qualitätvollen Architektur ergeben Maßstab, Rhythmus, Qualität, Atmosphäre. Angemessenheit ist Grundvoraussetzung.

Unser Bild kann nicht mit Berlin vergleichbar sein


Schauen wir zu unseren westlichen Nachbarn: Nantes ist nicht Bordeaux, Bordeaux ist nicht Lyon, Lyon ist nicht Paris. Die Entwicklungslinie geht von der sympathischen Provinzstadt über die bedeutungsvolle Region hin zur Weltstadt. Die erstgenannten Städte sind mit einer ausgezeichneten, innovativen, gelegentlich radikalen Planungskultur ausgestattet. Deswegen kann unser Bild nicht mit Berlin oder Paris vergleichbar sein. Wir sind vielleicht ein Nantes und vielleicht ein Bordeaux, irgendwo dazwischen, auf der Suche nach innerer und äußerer Schönheit ... wir sollten uns daher von der Vorstellung lösen, dass Großprojekte mit einem Ruck eine Stadt verändern. Unverwechselbare Urbanität entsteht im Kleinen, in der Angemessenheit und im Kollektiv.

Die Stadt, ein Mosaik? Der beschworene Gleichklang soll nicht Leitbild für die architektonische Ausformung der Gebäude sein. Wie ein Mosaik entsteht die Faszination der Architektur aus der Unterschiedlichkeit der Facetten. Aus der Nähe verwirrend, vielfältig, unterschiedlich, aus der Ferne ein ganzheitliches Bild. Lassen wir die individuelle architektonische Äußerung zu, um im Rahmen des definierten Stadtraums das unverwechselbare Bild zu erhalten. Selbst eine Patchworkdecke entwickelt ästhetischen Reiz, also Mut zum Risiko. Allerdings, so bunt das Patchwork auch sein mag, die Decke hat ein rechteckiges Format. Also wenige einfache, strenge Regeln und viele große, individuelle Freiheiten.

Stuttgart, eine Vision? Die Qualität Stuttgarts in der Zukunft liegt in der Summe der Maßnamen. Das Bekenntnis zur Vielfalt, die Entdeckung von vorhandenen Orten, die Offenheit für eine ganzheitliche Betrachtung des Planens und Bauens unter ökologischen Aspekten und die Formulierung und offene Diskussion eines "großen" Plans stehen zueinander in unabdingbarer Beziehung. Die öffentliche Diskussion muss ebenso unabdingbar geführt werden. Stuttgart kann ausgesprochen lebenswert und gelegentlich liebenswert sein, weiterhin und noch viel mehr.

Sunday, December 12, 2010

Westside Stories

Mayor Rawlings Blake became impatient with the slow progress of the Westside and asked the National Advisory Panel service of the Urban Land Institute (ULI) to come to Baltimore and give advice. Eight experts from Orlando, New York, Texas, California and Washington flew into town and sequestered on the second floor of the Hilton Hotel. They toured the freezing streets under the guidance of Jay Brodie and Kathy Robertson of the Baltimore development Corporation, the official steward of the Westside. They interviewed in pairs of two interviewers and one to three interviewees everyone who could possibly add anything to the topic, over 100 people total. They walked on their own, they were dined by the Mayor's office and voila, on Friday they sat down at the University of Maryland bio-tech building #2, Discovery Room, and gave a room full of invited stakeholders including the Mayor an ear full.

They started polite enough with the pleasantries that people tell each other in America when they know that the audience has to be prepped for tougher stuff . And slowly did they retch it up. Several entities got a real shellacking, foremost BDC who indirectly was attested to have things let slide and not providing the necessary leadership. Tom Murphy, former Mayor of Pittsburgh even likened the Westside to the tower of Babel. "Too many languages, the Mayor needs to become the translator" he said. Next in line for a beating was the University of Baltimore, no matter that they hosted the event. They were told in no uncertain terms, that they have to adopt Lexington Market as their baby. Owen Lang wondered if the transit stations shouldn't be reworked and admonished to integrate pedestrian mobility with the existing stations and the proposed Red Line stations.
Ranne warner emphasized that the Westside doesn't need bulldozers, it needs "regeneration not renewal". Ehud Mouchley requested a "financial czar" who will unify all possible funding mechanisms and admonished that no New Market credits have been used to date. Stanley Lowe, also of Pittsburgh, the only African American on the panel and a former Housing Commissioner, called both heads of the Lexington Market and of the nearby methadone clinic to the stage and asked them to shake hands. "They have never talked face to face" he observed, "let's forge new partnerships right here and there" he urged. He suggested a "best in class" standard and offered as an example of what local financial institutions can do the "Pittsburgh Promise" under which all local high school graduates receive $20,000. Other suggestions included the possibility of an open space in place of the Arena, a "zipper" approach to Howard Street, a distinction between a "north market and a south market separated by Franklin Street" (Economist Abigail Ferratti)and more homeownership. Ferretti also warned to expect too much from a Westside Arts District. It could cannibalize Station North, she warned.

All felt a sense of urgency was in order. The boldest words were reserved for the Lexington Square LLC, the development team that has been selected for the Superblock South and who's Land Disposition could run out this month if BDC does not extend yet again. The stumbling block, the lack of preservation and the violation of the MOA that was forged between preservationists and the City, most known for its map indicating buildings that have to be preserved. The Maryland Historic Trust, arbiter of the MOA indicated several times that the developer plans are unacceptable. "Comply with the rules or get out" was the refrain intoned by several panelists.
The Mayor was told that she needs to be "on it" come Monday with a serious personal weekly commitment. The panel ended with the slogan "Once in, All in, Always in, No Exit".

A written report will follow with more detail.